Wärmepumpe + PV vs. Gasheizung: Meine echten Zahlen nach einem Jahr – War die Investition richtig?
Lohnt sich eine Wärmepumpe wirtschaftlich wirklich? Diese Frage spaltet Stammtische und Internetforen. Während Befürworter von Unabhängigkeit schwärmen, warnen Kritiker vor explodierenden Stromkosten und raten zur Gasheizung. Doch wer hat Recht? Ich wollte es genau wissen und habe nachgerechnet – auf den Cent genau.
Die Theorie ist einfach, aber die Praxis oft kompliziert. Viele Hausbesitzer stehen vor der Entscheidung: Bewährte Gasheizung oder moderne Wärmepumpe? Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, habe ich mein System ein Jahr lang genauestens überwacht.
Das erwartet Sie in diesem Erfahrungsbericht:
- Der harte Kostenvergleich: 2.900 € jährliche Ersparnis gegenüber Gas.
- Echte Leistungsdaten: Warum eine JAZ von 3,07 im Bestand völlig ausreicht.
- Der PV-Faktor: Wie 80% Eigenverbrauch die Rechnung verändern.
- ROI-Kalkulation: Wann Sie im Plus sind (und warum ETF-Vergleiche hinken).
Hier sind die ungeschönten Zahlen, Daten und Fakten aus einem 4-Personen-Haushalt.
Inhaltsverzeichnis
Meine Ausgangssituation: Ein typischer Haushalt
Bevor wir in die Zahlen eintauchen, hier die Rahmenbedingungen:
- Wohnform: Doppelhaushälfte (DHH)
- Bewohner: 4 Personen
- Besonderheiten: 2 Personen dauerhaft im Homeoffice
- Stromverbraucher: Hohe Grundlast durch Kühlgeräte und TVs, im Sommer mobile Klimageräte
- E-Auto: Wird zuhause geladen, aber wenig gefahren
- PV-Anlage: Knapp 9 kWp (Ausrichtung Süd/Ost/West)
- Batteriespeicher: 10,2 kWh
💡 Wichtig: Dies ist kein Idealhaushalt mit minimalem Verbrauch. Wir haben einen überdurchschnittlich hohen Stromverbrauch durch Homeoffice und Technik – die Zahlen sind also eher konservativ.

Die komplette Strombilanz: Alle Zahlen auf einen Blick
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Verbrauch gesamt | 15.175 kWh |
| PV-Erzeugung | 7.506 kWh |
| Eigenverbrauch (aus PV) | 6.151 kWh |
| Einspeisung ins Netz | 1.260 kWh |
| Netzbezug (zugekauft) | 9.098 kWh |
Der entscheidende Punkt: Von den 7.506 kWh erzeugtem Solarstrom wurden 6.151 kWh direkt selbst verbraucht. Das ist eine Eigenverbrauchsquote von über 80% – und genau das ist der größte Hebel für die Wirtschaftlichkeit.

Verbrauchsaufteilung: Wer verbraucht wie viel?
| Verbraucher | Stromverbrauch | Anteil |
|---|---|---|
| Wärmepumpe | 6.687 kWh | 44% |
| E-Auto (Laden zuhause) | 957 kWh | 6% |
| Haushalt (Rest) | 7.531 kWh | 50% |
| Gesamt | 15.175 kWh | 100% |
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Zur PlanungshilfeWärmepumpen-Effizienz: Die Jahresarbeitszahl (JAZ)
Die Wärmepumpe hat über das Jahr verteilt folgende Leistung erbracht:
- Erzeugte Wärme: 20.525 kWh
- Verbrauchter Strom: 6.687 kWh
- Jahresarbeitszahl (JAZ): 3,07
🔍 Was bedeutet JAZ 3,07?
Die Wärmepumpe erzeugt aus 1 kWh Strom 3,07 kWh Wärme. Anders gesagt: Aus jeder investierten Kilowattstunde Strom werden 3,07 Kilowattstunden Heizenergie. Das ist der Grund, warum Wärmepumpen so effizient sind.

Der direkte Vergleich: Wärmepumpe vs. Gasheizung
Wieviel Gas hätte ich gebraucht?
Meine alte Gastherme (Baujahr 2001) hatte realistisch etwa 82% Wirkungsgrad. Für die gleiche Wärmemenge von 20.525 kWh wären rund 25.000 kWh Gas nötig gewesen.
Die Kostenrechnung Heizen
| Heizung | Verbrauch | Preis/kWh | Kosten/Jahr |
|---|---|---|---|
| Gasheizung | 25.000 kWh | 12 ct | ~3.000 € |
| Wärmepumpe | 6.687 kWh | 33 ct | ~2.210 € |
✓ Heizkostenvorteil Wärmepumpe: rund 800 € pro Jahr
Und das ohne Berücksichtigung der PV-Anlage! Die PV macht das Ganze noch deutlich günstiger.

Einspeisung: Der Bonus
Von den 7.506 kWh erzeugtem Solarstrom wurden 1.260 kWh ins Netz eingespeist:
| Position | Wert |
|---|---|
| Einspeisung | 1.260 kWh |
| Vergütung (≈ 8 ct/kWh) | ~100 € |
Die Einspeisevergütung ist heute nicht mehr der Hauptfaktor – der wahre Wert liegt im Eigenverbrauch.
Die Gesamtrechnung: Der Moment der Wahrheit
Jetzt vergleichen wir die kompletten Energiekosten meines aktuellen Systems mit einer hypothetischen Gasheizung ohne PV.
Szenario 1: Mit Wärmepumpe und PV (aktuell)
| Position | Betrag |
|---|---|
| Strom Netzbezug (9.098 kWh × 33 ct) | ~3.000 € |
| Einspeisevergütung | −100 € |
| Summe | ~2.900 € |
Szenario 2: Mit Gasheizung und ohne PV
| Position | Betrag |
|---|---|
| Strom Haushalt + E-Auto (8.488 kWh × 33 ct) | ~2.800 € |
| Gas Heizung | ~3.000 € |
| Summe | ~5.800 € |
💰 Kostenvorteil pro Jahr: 2.900 Euro
Das aktuelle System (Wärmepumpe + PV) spart 2.900 € jährlich gegenüber einer Gasheizung ohne PV.
Die Amortisationsrechnung: Wann rechnet sich die Investition?
Die Investitionskosten
Eine neue Gasheizung hätte mich grob 18.000 Euro gekostet (hatte einen Kostenvoranschlag). Wärmepumpe und PV haben nach Förderung rund 40.000 Euro gekostet.
⚖️ Wichtiger Kontext: Beim Austausch der alten Gastherme wäre aufgrund der 65%-EE-Vorgabe (Erneuerbare-Energien-Pflicht) ohnehin keine klassische neue Gasheizung mehr zulässig gewesen. Der Vergleich ist also nicht „alte Gasheizung vs. Wärmepumpe+PV“, sondern „EE-konforme Lösung vs. Wärmepumpe+PV“.
| Vergleich | Betrag |
|---|---|
| Mehrinvestition (40.000 € – 18.000 €) | ~22.000 € |
| Jährlicher Vorteil | ~2.900 € |
| Amortisation | ~7–8 Jahre |
Alternative Betrachtung: Vergleich mit ETF-Investition
Eine ehrliche Rechnung muss auch Opportunitätskosten berücksichtigen. Was wäre, wenn ich die 22.000 Euro Mehrkosten stattdessen in einen ETF mit 6% Rendite (inkl. Zinseszins) investiert hätte?
Ergebnis: Der wirtschaftliche Break-even liegt bei rund 19 bis 20 Jahren. Ab diesem Punkt ist das System auch gegenüber der Kapitalmarkt-Alternative im Vorteil.
📊 Meine Perspektive: Für mich war das weniger eine reine Renditefrage als eine Entscheidung für ein stabiles und planbares Energiesystem. Die Zahlen zeigen aber, dass sich das Ganze auch wirtschaftlich deutlich früher rechnet, als es auf den ersten Blick wirkt.
Zusätzliche Faktoren, die die Rechnung verbessern
1. Steigende Gaspreise durch CO2-Bepreisung
Durch das Emissionshandelssystem ETS 2 und eine generelle Steigerung des Gaspreises wird Gas in Zukunft teurer. Jede Erhöhung des Gaspreises verkürzt die Amortisationszeit deutlich.
2. Sinkende Strompreise / stabile Kosten
Mit PV und Speicher bin ich zu einem großen Teil unabhängig von Strompreisentwicklungen. Mein Eigenverbrauch von über 80% macht mich resilient gegen Preisschwankungen.
3. Wertsteigerung der Immobilie
Eine moderne Heizung und PV-Anlage steigern den Wert der Immobilie erheblich – dieser Faktor ist in der Rechnung noch nicht berücksichtigt.
4. Geringere Wartungskosten
Wärmepumpen haben generell niedrigere Wartungskosten als Gasheizungen. Kein Schornsteinfeger, keine Gasüberprüfungen.
5. Zukünftige Verbote und Vorgaben
Mit steigenden Anforderungen an den Klimaschutz werden fossile Heizungen zunehmend reguliert oder verboten. Eine Investition in Gas wäre mittelfristig ein Risiko gewesen.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus einem Jahr Betrieb
✅ Was funktioniert hervorragend:
- Hoher Eigenverbrauch: Über 80% des PV-Stroms wird selbst genutzt – das ist der größte Hebel
- Gute JAZ: 3,07 ist ein solider Wert für ein Bestandsgebäude
- Planbare Kosten: Keine bösen Überraschungen durch volatile Gaspreise
- Unabhängigkeit: Deutlich weniger abhängig von externen Energieversorgern
⚠️ Was man beachten sollte:
- Hohe Anfangsinvestition: 40.000 € sind eine Stange Geld, auch mit Förderung
- Längere Amortisation vs. ETF: Wer rein auf Rendite schaut, muss 19-20 Jahre einplanen
- Abhängigkeit von Förderung: Ohne Förderung würde die Rechnung deutlich anders aussehen
- Wetterabhängigkeit: PV-Ertrag schwankt je nach Jahr
Für wen lohnt sich diese Kombination?
Die Kombination aus Wärmepumpe und PV rechnet sich besonders, wenn:
- ✅ Sie ohnehin eine neue Heizung brauchen (wie in meinem Fall)
- ✅ Sie einen hohen Grundverbrauch haben (Homeoffice, E-Auto, etc.)
- ✅ Sie tagsüber zuhause sind und den PV-Strom direkt nutzen können
- ✅ Sie einen geeigneten Standort für PV haben (Süd/Ost/West-Ausrichtung möglich)
- ✅ Sie langfristig planen (mindestens 10-15 Jahre)
- ✅ Ihnen Planbarkeit und Unabhängigkeit wichtig sind
- ✅ Sie von Förderungen profitieren können
Mein Fazit nach einem Jahr
Die Behauptung „Gas wäre billiger gewesen“ stimmt schlicht nicht – zumindest nicht in meinem Fall. Mit 2.900 Euro Ersparnis pro Jahr und einer Amortisation von 7-8 Jahren war die Entscheidung für Wärmepumpe und PV richtig.
Selbst unter Berücksichtigung von Opportunitätskosten (ETF-Vergleich) ist das System nach 19-20 Jahren im Plus – bei gleichzeitig geringerer Abhängigkeit von Energiepreis- und Marktschwankungen.
🎯 Meine drei wichtigsten Learnings:
- Der Eigenverbrauch ist entscheidend: Je mehr PV-Strom Sie direkt nutzen, desto besser die Wirtschaftlichkeit
- Wärmepumpen sind effizienter als ihr Ruf: Eine JAZ von 3,07 bedeutet, dass ich für jede kWh Strom 3,07 kWh Wärme bekomme
- Die Rechnung wird mit jedem Jahr besser: Steigende Gaspreise und sinkende Wartungskosten verbessern das Ergebnis kontinuierlich
Würde ich es wieder so machen? Ohne Zweifel. Die Kombination aus Wärmepumpe und PV ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern gibt mir auch ein gutes Gefühl in Bezug auf Klimaschutz und Unabhängigkeit.
Checkliste: Ist das System auch für Sie interessant?
Prüfen Sie diese Punkte, um einzuschätzen, ob sich die Investition für Sie lohnt:
- ☐ Brauchen Sie ohnehin eine neue Heizung?
- ☐ Haben Sie ein geeignetes Dach für PV (Süd/Ost/West-Ausrichtung)?
- ☐ Sind Sie tagsüber oft zuhause (Homeoffice, Rente, etc.)?
- ☐ Haben Sie einen höheren Stromverbrauch (E-Auto, Wärmepumpe, Klimageräte)?
- ☐ Können Sie die Anfangsinvestition stemmen?
- ☐ Kommen Sie für Förderungen infrage?
- ☐ Planen Sie, mindestens 10-15 Jahre im Haus zu bleiben?
- ☐ Ist Ihnen Energieunabhängigkeit wichtig?
Je mehr Fragen Sie mit „Ja“ beantworten können, desto besser rechnet sich die Kombination für Sie.
Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder überlegen Sie selbst, auf Wärmepumpe und PV umzusteigen? Schreiben Sie Ihre Fragen und Erfahrungen in die Kommentare!
🔬 Experten-Check der Zahlen
Ist diese Rechnung auf andere Häuser übertragbar?
Die Zahlen in diesem Beispiel sind realistisch und nicht geschönt. Die Jahresarbeitszahl (3,07) und die PV-Erträge entsprechen dem Standard für Bestandsgebäude.
Der Turbo für die Wirtschaftlichkeit ist in diesem Fall der hohe Eigenverbrauch: Da der Haushalt durch Homeoffice und E-Auto viel Strom benötigt, wird fast der gesamte Solarstrom selbst genutzt (82%), statt ihn billig einzuspeisen. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart ca. 25 Cent (Differenz Strompreis zu Einspeisevergütung).
Fazit: Wer einen hohen Strombedarf hat (Familie, E-Auto, Homeoffice), für den ist die Kombination WP + PV fast immer ein wirtschaftlicher „No-Brainer“.
