Heizen mit Klimaanlage im Altbau: Die 10.000€ Hybrid-Lösung (Erfahrungsbericht)
🚀 Das Wichtigste in Kürze
- Kostenersparnis: Hybrid-Lösung für < 10.000€ vs. 31.000€ für zentrale Wärmepumpe.
- Effizienz: Split-Klimaanlagen erreichen im Altbau oft einen SCOP von 4 (aus 1kWh Strom werden 4kWh Wärme).
- Hybrid-Ansatz: Ölheizung bleibt für Spitzenlasten (< -5°C) und als Backup bestehen.
- Installation: Schrittweise Umsetzung möglich, kein Großumbau (z.B. Fußbodenheizung) nötig.
- Bonus: Das System kann im Sommer kühlen und entfeuchten.

Wer heute einen unsanierten Altbau energetisch modernisieren will, steht oft vor einem finanziellen Abgrund. Wärmepumpen-Angebote jenseits der 30.000 Euro, Handwerkermangel und die Angst, dass die alten Heizkörper nicht ausreichen, lähmen viele Hausbesitzer. Doch muss es immer die „große Lösung“ sein?

Der „Akku Doktor“ Andreas Schmitz beweist das Gegenteil. In seinem 1976 erbauten Haus (Energieklasse D) hat er eine radikale, aber geniale Alternative umgesetzt: Statt einer zentralen Wärmepumpe setzt er auf dezentrale Split-Klimaanlagen in Kombination mit einer Brauchwasserwärmepumpe und der alten Ölheizung als Backup. Das Ergebnis? Halbierte Heizkosten, volle Kontrolle und eine Investition von unter 10.000 Euro.
Inhaltsverzeichnis
Klassische Wärmepumpe vs. Hybrid-Klima-System

Warum entscheidet man sich gegen den Standard-Weg? Hier der direkte Vergleich der beiden Ansätze basierend auf den Daten aus dem Video:
| Merkmal | Zentrale Wärmepumpe (Luft-Wasser) | Hybrid-System (Split-Klima + Öl) |
|---|---|---|
| Investitionskosten | ca. 31.000 € (inkl. Förderung & Umbau) |
ca. 9.000 – 10.000 € |
| Eingriff in Bausubstanz | Hoch (evtl. Fußbodenheizung nötig) |
Gering (Kernbohrungen für Kältemittel) |
| Installation | Nur durch Fachbetrieb (Lange Wartezeiten) |
Teils DIY (Inbetriebnahme durch Fachmann) |
| Funktion im Sommer | Begrenzt (Kühlung oft ineffizient) |
Perfekte, aktive Klimatisierung & Entfeuchtung |
| Redundanz | Keine (Monovalentes System) | Hoch (Öl als Backup für extreme Kälte) |

Warum wir diese Lösung brauchen
Das Kernproblem vieler Altbaubesitzer ist nicht der Wille zur Energiewende, sondern die Machbarkeit. Andreas beschreibt zwei massive „Pain Points“:
- Finanzieller Druck: Nach dem Hauskauf ist oft kein Budget für eine 30k-Heizungssanierung übrig.
- Handwerkermangel: Für komplexe Umbauten finden sich kaum Installateure, oder sie raten zu teuren Zusatzmaßnahmen wie dem Austausch aller Heizkörper.
Das dezentrale System löst beide Probleme. Es lässt sich raumweise nachrüsten (Skalierbarkeit) und die Hardware-Kosten sind im Vergleich zu „offiziellen“ Heizungswärmepumpen extrem niedrig, da Klimaanlagen weltweit ein Massenprodukt sind.
Qualitäts-Check: Kann Luft heizen?
Ein häufiges Vorurteil: „Klimaanlagen sind doch Stromfresser“. Das Gegenteil ist der Fall. Moderne Inverter-Geräte sind hocheffiziente Luft-Luft-Wärmepumpen.
- SCOP-Werte: Andreas erreicht einen SCOP (Seasonal Coefficient of Performance) von ca. 4. Das bedeutet, aus 1 kWh Strom werden 4 kWh Wärme erzeugt. Das ist auf Augenhöhe mit teuren Erdwärmepumpen.
- Reaktionszeit: Anders als träge Fußbodenheizungen machen Klimaanlagen einen Raum in Minuten warm. Das ermöglicht bedarfsgerechtes Heizen (nur wenn jemand im Raum ist).
- Der Öl-Faktor: Die alte Ölheizung springt nur an extrem kalten Tagen (z.B. unter -5°C) ein. Das entlastet die Wärmepumpen im ineffizienten Bereich und spart teuren Strom bei Spitzenlasten.

Installation & Hardware
Das im Video vorgestellte Setup besteht aus drei Komponenten:
1. Die Raumheizung (Split-Klimaanlagen)
Fünf Innengeräte verteilen sich im Haus. Diese übernehmen 90% der Heizlast im Jahr. Die Geräte sind unabhängig vom bestehenden hydraulischen System (Wasserrohre), was sie perfekt für den Altbau macht.
2. Brauchwasserwärmepumpe (BWWP)
Für das Warmwasser (Duschen, Spülen) wurde eine separate BWWP (z.B. Stiebel Eltron) installiert. Diese ist 3-4 mal effizienter als der alte Ölbrenner im Sommerbetrieb.
3. Die „Rest“-Ölheizung
Sie bleibt für die wenigen Tage im Jahr bestehen, an denen es bitterkalt ist. Das spart Investitionskosten, da die Wärmepumpen nicht überdimensioniert werden müssen.
Split-Klimaanlagen dürfen in Deutschland offiziell nur von Personen mit Kältemittelschein in Betrieb genommen werden. Andreas hat die Montage selbst übernommen, aber die Inbetriebnahme durch einen befreundeten Fachmann durchführen lassen.Alternative: Geräte wie die im Video erwähnte Remco Monoblock-Anlage erfordern keinen Kältemittelschein und können komplett in Eigenregie installiert werden (dafür etwas teurer und lauter).
FAQ: Häufige Fragen zum Hybrid-Heizen
Ist das Heizen mit Luft nicht ungemütlich (Zugluft)?
Moderne Geräte haben Sensoren („Eye“-Technologie), die Personen im Raum erkennen und den Luftstrom gezielt umlenken. Zudem heizen sie den Raum sehr schnell auf, sodass der Lüfter danach auf fast unhörbarer Stufe läuft.
Was kostet das System im Betrieb?
Im Video-Beispiel sanken die Kosten von ca. 3.000€ (reines Öl) auf ca. 1.370€ (Hybrid) pro Jahr. Eine Ersparnis von über 1.600€ jährlich!
Muss ich mein Haus vorher dämmen?
Nein. Da Luft-Luft-Wärmepumpen nicht auf niedrige Vorlauftemperaturen in Heizkörpern angewiesen sind, arbeiten sie auch in schlecht gedämmten Häusern effizient. Natürlich senkt Dämmung den Verbrauch weiter, ist aber keine technische Voraussetzung.
Funktioniert das auch bei -15 Grad?
Ja, moderne Klimaanlagen heizen bis -20°C oder -30°C. Allerdings sinkt die Effizienz. Genau hier greift das Hybrid-Konzept: Wenn es extrem kalt wird, übernimmt einfach die bestehende Öl- oder Gasheizung.

Fazit: Die Demokratisierung der Wärmewende
Andreas Schmitz beweist mit seinem Projekt eindrucksvoll, dass die Energiewende im Altbau kein Luxusprojekt für Wohlhabende sein muss. Die oft belächelte „Bastel-Lösung“ aus Split-Klimaanlagen und bestehender Ölheizung entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als wirtschaftlich überlegener Gegenentwurf zum oft propagierten „Alles oder Nichts“-Ansatz.
Während viele Energieberater noch immer reflexartig zu teuren Komplettsanierungen (Dämmung + Fußbodenheizung + zentrale Wärmepumpe) raten, sprechen die physikalischen Fakten eine andere Sprache: Luft-Luft-Wärmepumpen sind effizient, günstig und sofort verfügbar. Wer den Mut hat, sich vom klassischen deutschen Zentralheizungs-Dogma zu lösen, wird nicht nur mit einer massiven Kostenersparnis belohnt, sondern gewinnt auch sofortigen Wohnkomfort durch die Kühlfunktion im Sommer.
Ist dieser dezentrale Ansatz für dich eine echte Alternative oder bleibt das „richtige“ Heizen für dich untrennbar mit warmen Heizkörpern unter dem Fenster verbunden? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare!
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