Lohnt sich Photovoltaik wirklich? Die knallharte 2-Jahres-Bilanz
🚀 Das Wichtigste in Kürze
- ROI unter 9 Jahren: Die Beispiel-Anlage (4,68 kWp) amortisiert sich nach ca. 8,4 Jahren komplett.
- Der Gewinn: Jährliche Entlastung von ca. 1.100 € durch Eigenverbrauch und Einspeisevergütung.
- Die Kosten: Investition von ca. 10.000 € (brutto) für Hardware und aufwendige Installation.
- Speicher-Falle: Ein Batteriespeicher würde die Amortisation auf über 20 Jahre verlängern – aktuell unwirtschaftlich.
- Bürokratie-Check: Gewerbeanmeldung oft unnötig, aber Marktstammdatenregister ist Pflicht.

Die Strompreise kennen nur eine Richtung: nach oben. Viele Hausbesitzer stellen sich die gleiche Frage: „Ist eine Solaranlage auf dem Dach nur ein teures Hobby oder eine echte Geldmaschine?“
Die Theorie ist einfach, aber die Praxis oft kompliziert. Installationskosten, Bürokratie und schwankendes Wetter machen die Rechnung unübersichtlich. In diesem Beitrag schauen wir uns keine Hochglanz-Prospekte an, sondern echte Daten aus zwei Jahren Betrieb einer 4,68 kWp Anlage. Wir analysieren jeden Euro – von der Anschaffung bis zur Steuer – und klären die Frage: Wann fließt das Geld endlich zurück?
Inhaltsverzeichnis
Vergleich: Mit vs. Ohne Photovoltaik
| Kriterium | Netzstrom (Status Quo) | Mit PV-Anlage (4,68 kWp) |
|---|---|---|
| Stromkosten (jährlich) | ~1.335 € (bei 4.600 kWh) | ~870 € (Zukauf Reststrom) |
| Unabhängigkeit | 0% (Volle Abhängigkeit) | ~35% Autarkie (ohne Speicher) |
| Cashflow | Nur Ausgaben | +480 € Einspeisevergütung/Jahr |
| Amortisation | Nie | ca. 8,4 Jahre |

Warum wir darüber reden müssen (Kontext)
Die meisten Solaranlagen-Rechner im Netz sind optimistisch geschönt. Hier haben wir jedoch ein realistisches Szenario: Ein 4-Personen-Haushalt mit einem relativ hohen Verbrauch von ca. 4.600 kWh pro Jahr (Homeoffice & E-Auto). Das Setup besteht aus:
- 18 Module: BenQ Primo (je 260 Watt)
- Wechselrichter: Fronius Symo 5.0-3-M
- Smartmeter: Zur exakten Erfassung von Eigenverbrauch vs. Einspeisung
Der Quality-Check: Die Zahlen lügen nicht
Nach zwei Jahren Betrieb zeigt der Smartmeter die Wahrheit. Von den erzeugten 4.600 kWh wurden etwa 1.600 kWh direkt selbst verbraucht. Das klingt erstmal wenig, ist aber ohne Batteriespeicher völlig normal, da Produktion (mittags) und Verbrauch (morgens/abends) oft asynchron laufen.
Die Rechnung geht trotzdem auf:
- Gesparte Stromkosten: ca. 465 €
- Einnahmen durch Einspeisung: ca. 480 €
- Steuerliche Abschreibung (AfA): ca. 150-200 € Vorteil (je nach Steuersatz)
Unterm Strich steht ein jährlicher Vorteil von rund 1.100 €. Bei Investitionskosten von knapp 9.000 € (netto) ist die Anlage in unter 9 Jahren abbezahlt. Danach: Reiner Gewinn.

Das Problem mit der Kurve: Morgens Kaffee, Mittags Sonne
Ein entscheidender Punkt, den viele Neulinge unterschätzen, ist die Diskrepanz zwischen Erzeugung und Verbrauch. Ein typischer Haushalt hat zwei Verbrauchsspitzen („Peaks“):
- ☕ Morgens (6-8 Uhr): Kaffee, Duschen, Frühstück – die Sonne geht gerade erst auf.
- 📺 Abends (18-22 Uhr): Kochen, Fernsehen, Licht – die Sonne ist längst weg.
Die Solaranlage liefert jedoch ihre Spitzenleistung genau dann, wenn oft niemand zu Hause ist: zwischen 11 und 15 Uhr. Das Video zeigt eindrucksvoll: Wer seine Gewohnheiten nicht anpasst, speist den wertvollen Strom für wenige Cent ins Netz ein, statt ihn selbst zu nutzen. Die Lösung ohne teuren Speicher? Lastverschiebung. Waschmaschinen und Spülmaschinen sollten per Timer genau in die Mittagszeit gelegt werden.
Der Tesla als „Manueller Speicher“

Interessant ist die im Video gezeigte Strategie für das E-Auto. Statt einer teuren, intelligenten Wallbox wird der Tesla einfach an den normalen Hausstrom gehängt, wenn die Sonne scheint. Mit einer Ladeleistung von ca. 3 kW „saugt“ das Auto genau den Überschuss ab, den die Anlage produziert.
Das ist zwar „Low-Tech“, aber extrem effizient: Das Auto wird zum fahrbaren Batteriespeicher. Wer im Homeoffice arbeitet oder das Auto am Wochenende tagsüber lädt, kann so seinen Eigenverbrauchsanteil massiv steigern, ohne 10.000 € für einen Heimspeicher auszugeben.
Installation & Hürden: Nicht ganz „Plug & Play“

Anders als bei Software, wo man einfach „Install“ klickt, war hier Handarbeit gefragt. Da der Wechselrichter im Keller platziert werden sollte, musste die Hauptstromversorgung des Hauses verlegt werden.
🛠️ Die Checkliste für die Installation:
- Hardware-Check: Passen Wechselrichter und Module zusammen? (Hier: Fronius + BenQ)
- Verkabelung: Weg vom Dach in den Keller einplanen (Leerrohre?).
- Bürokratie I: Anmeldung beim Netzbetreiber (Stadtwerke).
- Bürokratie II: Eintragung ins Marktstammdatenregister (Pflicht!).
- Finanzamt: Umsatzsteuervoranmeldung klären (Kleinunternehmerregelung vs. Regelbesteuerung).

Fazit: Ein „No-Brainer“ mit Haken

Die Zahlen aus dem Video beweisen: Photovoltaik ist kein ökologisches Liebhaber-Projekt, sondern eine solide finanzielle Investition mit einer Rendite, von der jedes Sparbuch träumt. Nach 8,5 Jahren fließt der Strom quasi kostenlos.
Meine steile These zum Schluss: Wer heute ein Dach besitzt und keine PV-Anlage installiert, wirft aktiv Geld zum Fenster raus. Aber: Lass die Finger vom Speicher, wenn du rechnen kannst. Er ist (noch) ein reines Luxusgut für das Gefühl der Autarkie, aber kein Investment.
Wie sieht deine Rechnung aus? Hast du einen Speicher und rechnet er sich für dich? Schreib es mir in die Kommentare!
FAQ: Häufig gestellte Fragen
Lohnt sich ein Batteriespeicher?
Aktuell: Nein. In diesem Fallbeispiel würde ein Speicher (z.B. Tesla Powerwall, ca. 9.000-13.000 €) die Ersparnis zwar um ca. 300-500 € pro Jahr erhöhen, aber die Anschaffungskosten sind so hoch, dass die Amortisation über 20 Jahre dauern würde. Solange Speicherpreise nicht massiv fallen, ist das Netz der günstigere „Speicher“.
Wie hoch waren die Gesamtkosten?
Die Anlage hat inklusive aufwendiger Elektroinstallation ca. 8.888 € netto (zzgl. MwSt.) gekostet. Hinzu kommen ca. 80 € jährliche Versicherungskosten.
Brauche ich zwingend eine Wallbox für mein E-Auto?
Nicht unbedingt. Im Video wird gezeigt, dass der Tesla auch einfach über den normalen Hausstrom geladen wird (mit ca. 3 kW Leistung). Das dauert zwar länger als mit einer 11 kW oder 22 kW Wallbox, reicht aber oft aus, um den „Sonnenstrom“ direkt in das Auto zu laden, wenn es tagsüber steht.
Welche laufenden Kosten entstehen nach der Installation?
Die Betriebskosten sind sehr überschaubar. Im Fallbeispiel fallen lediglich ca. 80 € pro Jahr für eine spezielle Photovoltaik-Versicherung an (gegen Sturm, Hagel etc.). Wartungskosten fielen in den ersten zwei Jahren nicht an, sollten aber langfristig für eventuelle Wechselrichter-Reparaturen (nach 10-15 Jahren) eingeplant werden.
Wie verhält sich die Stromerzeugung im Winter?
Die Produktion bricht im Winter deutlich ein. Während man im Sommer oft mehr produziert als man verbrauchen kann (Überschusseinspeisung), muss man im Winter Strom zukaufen. Die Anlage produziert zwar auch bei diffusem Licht Strom, aber die kurzen Tage und der niedrige Sonnenstand reduzieren den Ertrag erheblich.
Muss ich ein Gewerbe anmelden?
Oft nicht zwingend separat, wenn man bereits selbstständig ist (wie im Video). Aber: Die Tätigkeit ist gewerblich und steuerlich relevant. Kläre dies zwingend mit deinem Steuerberater, da sich Gesetze (Stichwort: Steuerbefreiung für kleine Anlagen ab 2023) geändert haben können.
🔗 Ressourcen & Links
